Wir sprechen schnell davon, „gut in etwas“ zu sein. Charakterstärken meinen etwas anderes: Eigenschaften, die zeigen, wie jemand denkt, fühlt und handelt – und die sich oft stimmig und sinnvoll anfühlen, wenn wir sie einsetzen.
Was sind Charakterstärken?
Charakterstärken sind positiv bewertete Eigenschaften wie Neugier, Freundlichkeit, Fairness, Humor, Dankbarkeit oder Ausdauer. Sie beschreiben nicht, was jemand kann, sondern welche Haltungen und Verhaltensweisen einer Person besonders entsprechen.
Unterschied zwischen Fähigkeit und Charakterstärke
Eine Fähigkeit oder ein Talent bezieht sich meist auf ein bestimmtes Können – etwa gut rechnen, zeichnen oder organisieren zu können. Eine Charakterstärke ist grundlegender: Sie zeigt sich über viele Situationen hinweg und ist eng damit verbunden, was uns wichtig ist. Fähigkeiten lassen sich einsetzen; Charakterstärken werden gelebt.
Die VIA-Klassifikation
Ein häufig genutztes Modell ist die VIA-Klassifikation der Charakterstärken von Peterson und Seligman (2004). Sie beschreibt 24 Charakterstärken, die sechs übergeordneten Tugenden zugeordnet werden: Weisheit, Mut, Menschlichkeit, Gerechtigkeit, Mäßigung und Transzendenz. Das Modell ist ein Ordnungsrahmen, der hilft, über Stärken ins Gespräch zu kommen; es ist keine abschließende Wahrheit über den Menschen.
Signaturstärken
Im Durchschnitt drei bis sieben dieser Stärken erleben Menschen als besonders zu sich gehörig. Man spricht dann von Signaturstärken: Eigenschaften, die sich echt und energiegebend anfühlen und die wir gern einsetzen. Sie bewusster wahrzunehmen kann eine zusätzliche Perspektive eröffnen und dabei helfen, bewusster zu bemerken, welche Verhaltensweisen einem entsprechen und Energie geben. Ein einfacher Einstieg: Bei welchen Tätigkeiten blühen Sie auf, vergessen die Zeit und erzählen hinterher begeistert davon? Solche Momente weisen oft auf Signaturstärken hin.
Stärken sind kontextabhängig
Ob eine Stärke hilfreich ist, hängt von der Situation ab. Direktheit kann in einem Gespräch klärend wirken und in einem anderen verletzend. Deshalb geht es weniger darum, „mehr“ Stärke zu zeigen, als darum, sie passend einzusetzen.
Über- und Unternutzung
Auch eine Stärke lässt sich über- oder unternutzen. Zu viel Vorsicht wird zu Zögern, zu viel Begeisterung kann andere überfordern, zu wenig Durchsetzung führt dazu, dass eigene Anliegen untergehen. Ein guter Umgang mit Stärken bedeutet, das jeweils stimmige Maß zu finden.
Stärken im Alltag
Im Privatleben
Zu wissen, was einem liegt, kann helfen, den Alltag stärker an dem auszurichten, was Energie gibt – etwa bei der Gestaltung von Freizeit, Aufgaben oder Erholung.
Im Arbeitsleben
Wer eigene Stärken kennt, kann Aufgaben und Rollen bewusster wählen oder gestalten. Manchmal lässt sich die eigene Arbeit so anpassen, dass Signaturstärken häufiger zum Einsatz kommen.
In Beziehungen
Stärken bei sich und bei anderen wahrzunehmen kann den Blick verändern: weg von dem, was fehlt, hin zu dem, was jemand einbringt. Das kann Wertschätzung und Verständnis fördern.
Video: Melanie erklärt die Übung
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Grenzen eines rein stärkenorientierten Blicks
Stärken zu betonen bedeutet nicht, Schwierigkeiten, Belastungen oder Entwicklungsfelder auszublenden. Ein hilfreicher Umgang mit sich selbst schließt beides ein: die eigenen Ressourcen zu kennen – und ehrlich zu sein mit dem, was herausfordernd ist. Das Kennen eigener Stärken ist kein Heilmittel und ersetzt keine Unterstützung, wenn es einem längere Zeit nicht gut geht.
Eigene Stärken reflektieren
Perspektivisch entsteht dazu ein kleines, hochwertiges Workbook. Wer möchte, erfährt über den Newsletter, sobald es verfügbar ist – gemeinsam mit weiteren Impulsen aus der Positiven Psychologie.
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