Salienz: Jeder Tag kann ein Glückstag werden

Salienz ist ein Begriff aus der Psychologie, welcher einen Reiz beschreibt, der besonders ins Auge sticht und somit häufiger bewusst wahrgenommen wird.

Nehmen wir das obige Bild als Beispiel: Der gelbe Regenschirm inmitten der dunklen Umgebung fällt sofort in den Blick. Dabei ist es ganz egal ob gelb oder schwarz Ihre Lieblingsfarbe ist. Das Gelb unterscheidet sich sichtbar von der restlichen Umgebung und fällt somit einfach auf. In diesem Fall spricht man von einer „reizinduzierten Vereinnahmung der Aufmerksamkeit“. Der Reiz ist unabhängig von ihrer Einstellung oder Ihren Zielen salient = auffällig.

Neben diesem durch den Reiz verursachten Fokus gibt es auch noch die selektive Aufmerksamkeit. Auch diese begegnet uns häufig im Alltag. Zwei Beispiele hierfür:

1. Nehmen wir an Sie möchten sich ein Auto kaufen. Sie wissen schon genau welches Modell und welche Farbe. Sie freuen sich darauf und denken regelmäßig daran, dass das Auto bald Ihr täglicher Begleiter sein wird. Seltsamerweise fällt Ihnen seither täglich ständig dieses Auto ins Auge. Vorher war Ihnen gar nicht aufgefallen, dass Ihr Nachbar zwei Hausnummern weiter das gleiche Auto fährt.

2. Sie spielen mit dem Gedanken Kinderwunsch. Regelmäßig kreisen Ihre Gedanken zu diesem Thema. Seit Sie sich mit diesem Thema beschäftigen, kommt es Ihnen so vor, als wäre jede zehnte Frau, die Ihnen begegnet entweder schwanger oder in Begleitung eines kleinen Kindes.

Das lässt sich natürlich mit beliebigen Beispielen fortsetzen. Allen gemeinsam ist, dass Sie aufgrund Ihrer Ziele oder Motivation (unbewusst) Ihre Aufmerksamkeit vermehrt auf diesen Dingen haben.

Das ganze funktioniert auch ganz besonders gut in Abhängigkeit von unseren Gefühlen.

1. Wenn Sie in schlechter Stimmung sind, Sie gestresst, genervt oder traurig sind – wird Ihr Fokus ein negativer sein.

Wenn wir schlecht gelaunt sind, wird automatisch unser Fokus eingeschränkt, nehmen eine geringere Bandbreite wahr, sind analytischer und kritischer. Das kann hilfreich sein, wenn es darum geht einen Fehler zu finden oder etwas kritisch zu durchleuchten. Wenn das ganze allerdings unbewusst abläuft, werden uns in unserem Alltag und Umgebung insbesondere die negativen Dinge ins Auge stechen.

Ein Beispiel: Um Sie herum sind lauter gut gelaunte KollegInnen – nur einer ist schlecht gelaunt. Während Ihnen erstere gar nicht auffallen, sehen Sie den schlecht gelaunten sofort. Häufig erfolgen dann auch noch so genannte Generalisierungsprozesse. Das bedeutet, dass wir häufig (im Negativen) verallgemeinern: z.B: „Heute sind ja mal wieder alle schlecht gelaunt.“

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2. Wenn Sie in guter Stimmung sind, freudig, überrascht, neugierig, begeistert, offen für Neues – wird Ihr Fokus ein positiver sein.

Wenn wir gut gelaunt sind, wir unser Fokus und unsere Wahrnehmung automatisch breiter. Wir denken ganzheitlicher, sind toleranter und erkennen viel mehr Chancen und Möglichkeiten in unserer Umgebung. Hierbei gelten die gleichen Prinzipien wie vorhin bei der negativen Stimmung. Nur, dass sie uns in diesem Fall zu Gute kommen.

Ein Beispiel: Um Sie herum sind einige schlecht gelaunte Kollegen – nur einer ist gut gelaunt. Dieser fällt Ihnen sofort in den Blick. Sie setzen sich neben den gut gelaunten Kollegen und unterhalten sich mit ihm.
Sind Sie guter Laune lassen Sie sich viel weniger leicht von anderen mit herunterziehen. Außerdem finden positive Generalisierungsprozesse statt. Sie nehmen Ihre Umgebung viel positiver wahr und sind zufriedener mit dem was war: z.B. „Der Chef war heute gar nicht so schlecht gelaunt wie sonst. Außerdem hatte ich heute ein echt nettes Gespräch mit meiner Kollegin.“

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Dieses Wissen können wir nutzen!

Es geht nicht darum, sich nie schlecht fühlen zu dürfen. Es geht darum sich der Prozesse bewusst zu werden, die in Gang kommen, wenn wir uns gut oder schlecht fühlen. Denn sobald sie uns bewusst werden, lassen sie sich auch viel besser steuern.

Es geht darum, welchen Fokus wir setzen.
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Geht es z.B. darum die Steuererklärung zu machen, sind viele Personen im Vorhinein schon nicht gerade enthusiastisch. Das kann hilfreich sein! Denn dann denken Sie analytischer, fokussierter und machen durch den eingeschränkten Fokus weniger Fehler.

Häufig ist es allerdings so, dass die negativen Gedanken und Gefühle unbewusst ablaufen. So kommt ein Teufelskreis in Gang, welcher negative Generalisierungsprozesse begünstigt. Es bleibt also nicht beim Strafzettel heute früh, sondern wird ausgeweitet in eine generelle negative Grundstimmung, mit einem Fokus auf alle negativen Dinge, die im Lauf des Tages passiert sind. Das Blöde (oder Geniale) daran ist, dass sich tatsächlich die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass weitere negative Dinge passieren, wenn wir uns eh schon schlecht fühlen.

Und das ist die Chance zum Glücklichsein!

Denn es gibt eben nicht nur die Abwärtsspirale, sondern auch die Aufwärtsspirale.
Das bedeutet, dass wenn wir uns gut fühlen die Wahrscheinlichkeit erhöht ist, dass uns auch positive Dinge widerfahren.

Was heißt das konkret?

Fall 1: Sie sind gut gelaunt.
Perfekt! Es kann noch besser werden! Nutzen Sie diese Stimmung, um Kontakte zu knüpfen, wichtige Gespräche zu führen, Dinge anzupacken, für die bisher die Motivation gefehlt hat, oder einfach um zu genießen, wie Sie sich aktuell fühlen.

Fall 2: Sie haben neutrale Stimmung, sind weder gut noch schlecht gelaunt.
Verändern Sie den Fokus. Überlegen Sie, was bisher dazu geführt hat, dass Sie sich gut fühlen. Gönnen Sie sich etwas! Bei neutraler Stimmung kann häufig schon ein kurzes Telefonat mit der Freundin, ein leckeres Mittagessen oder ein bewusstes Genießen der Sonnenstrahlen den gewissen Unterschied machen.

Fall 3: Sie sind schlecht gelaunt.
Dabei ist wichtig zu unterscheiden, was der Grund hierfür ist. Wenn Sie sich seit Tagen durchgängig bedrückt und traurig fühlen, vielleicht nicht wissen warum das so ist, oder aber es sehr genau wissen, da etwas Schlimmes passiert ist – dann kann professionelle Unterstützung notwendig sein.

Manchmal ist es jedoch einfach so, dass eine Kleinigkeit schief gelaufen ist, und wir kommen aus der Negativspirale einfach nicht mehr heraus.
Z.B. „In der Früh ist die Milch übergelaufen – na das fängt ja schon gut an! Ich bin sowieso heute mit dem falschen Fuß aufgestanden, das konnte ja heute nichts werden…“
Bereits nach einem banalen Fauxpas können negative Generalisierungsprozesse ins Laufen kommen.

Der erste Schritt ist – diese zu erkennen.
Der zweite Schritt ist – eine Änderungsmotivation aufzubauen mit dem Ziel sich besser zu fühlen.
Der dritte Schritt ist – einmal auf Metaposition zu gehen und sich und die Sachlage von außen zu betrachten und objektiv einzuschätzen. Hierbei ist es hilfreich das negative Ereignis auf einer Skala von 1 bis 10 (1 = harmlos, 10 = die absolute Katastrophe) einzuschätzen. Die übergelaufene Milch wäre z.B. vermutlich bei den meisten nur eine 1 oder eine 2.
Der vierte Schritt ist – das Erlebnis zu relativieren. Dieser Schritt ist die logische Konsequenz von Schritt drei. Wenn wir erkennen, dass das Erlebnis eigentlich gar nicht so dramatisch war – verliert es automatisch an Salienz! Dadurch werden die negativen Generalisierungsprozesse gestoppt.
Der fünfte Schritt ist – der gleiche wie im Fall der neutralen Stimmung: Den Fokus verändern, sich zeitweise ablenken und sich etwas Gutes gönnen.

Ein letzter kleiner Tipp:
Bereits das Auseinandersetzen mit etwas Positivem führt dazu, dass Ihre Stimmung deutlich besser wird.

Alles Gute!

Ihre,

Psychologe Innsbruck
Psychologin in Innsbruck

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