Was hat Resilienz mit Erdmännchen und Kängurus zu tun?

Unser Lebensweg ist gepflastert von Erlebnissen, die das Potenzial habe uns wachsen zu lassen oder aber dazu führen, dass wir unglücklich werden, im schlimmsten Fall sogar die Lebensfreude verlieren.

Gerade hier kann sich Resilienz als hilfreich erweisen, weshalb es sich lohnt, etwas mehr darüber zu wissen. Glückliche unterscheiden sich von weniger glücklichen Menschen nicht dadurch, dass sie keine Krisen erleben, sondern durch ihren Umgang damit. Das möchte ich anhand eines bildhaften Beispiels verdeutlichen, nämlich anhand des Unterschieds zwischen Kängurus und Erdmännchen.

Haben Sie schon einmal Erdmännchen gesehen? In einem Tierfilm oder vielleicht sogar live im Zoo? Ich finde sie fantastisch (und bitte deshalb, den weiter unten folgenden Vergleich zu verzeihen). Beim Beobachten ist Ihnen bestimmt aufgefallen, wie Erdmännchen ihre Umgebung im Blick haben und Wache halten, um ihre Artgenossen vor Feinden zu warnen. Die etwa 30 cm kleinen Wesen stehen dafür meist auf den Hinterbeinen, machen also eine Art „Männchen“. In Filmen ist häufig folgende Szene zu sehen: Während die Fellnasen in ihrer Habachtstellung verharren, werden sie manchmal so müde, dass sie in eine Starre verfallen und einfach umkippen (um dann in Ruhe ein Nickerchen zu machen).

Was hat das jetzt mit uns Menschen zu tun? Stellen Sie sich vor, es widerfährt Ihnen etwas Belastendes. Beispielsweise verlieren Sie Ihren Job und nebenbei geht auch noch Ihre Beziehung in die Brüche. Sie haben dann (vereinfach gesagt) zwei Reaktionsmöglichkeiten: Sie reagieren wie das Erdmännchen und „fallen um“. Die Belastung ist groß, Ihre Gefühle überwältigen Sie, weshalb es Ihnen den Boden unter den Füßen wegzieht.

Die Alternative: Sie zeigen sich resilient und machen es wie ein Känguru! Kängurus können ganz wunderbar springen. Bei jedem Sprung federn ihre Hinterläufe vom Boden ab wie ein Gummiball. Je mehr sich der Kängurukörper komprimiert, je stärker die Gelenke belastet und die Muskeln gedehnt werden, desto höher ist die Sprungkraft. Und diese ist ein Symbol für Resilienz. Resilienz ist eine Art innere Sprungkraft, eine Fähigkeit, konstruktiv mit Krisen umzugehen, ohne daran zu zerbrechen. Menschen, denen Schlimmes widerfahren ist, die z. B. in Armut oder mit Gewalterfahrungen aufgewachsen sind und trotzdem ein glückliches (Erwachsenen-)Leben führen oder Menschen, die beispielsweise aufgrund einer Tragödie etwas Bedeutsames verloren haben und trotzdem wieder zu neuer Stärke und Lebenszufriedenheit zurückfinden, verfügen über Resilienz.

Aber auch in weniger tragischen Situationen kann Resilienz zum Ausdruck kommen. Vielleicht kennen Sie diesen, häufig in Zusammenhang mit Misserfolgen geäußerten Spruch: „Hinfallen, aufstehen, Krone richten, weitergehen.“ Wann immer wir an unsere Grenzen kommen oder es mit Rückschlägen zu tun haben, können wir mit der Situation mal mehr, mal weniger resilient umgehen. Nach einer missglückten Präsentation oder einem „Korb“ beim Flirt gibt es die Option, zu verzweifeln, hilflos zu reagieren und in Zukunft solche Situationen zu meiden (also künftig keine Präsentationen mehr zu halten bzw. bloß keinen Flirt mehr zu beginnen). Das wäre die Erdmännchenstrategie des Umfallens. Wir könnten aber auch versuchen, aus solchen Situationen zu lernen und herausfinden, welche unserer Stärken uns auf welche Weise künftig helfen könnten. Das wäre die Kängurustrategie: Wir nehmen all unsere Kraft zusammen und springen besonders hoch oder weit.

Sind Sie eher Erdmännchen oder Känguru?
Ich freue mich über Ihre Kommentare oder Nachrichten 🙂

Herzliche Grüße,

Psychologe Innsbruck
Psychologin in Innsbruck

Quelle: Auszug aus meinem Buch „Glückliche Kängurus springen höher“ (Junfermann Verlag, 2019)

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