Handys im Schlafzimmer – ein Beziehungskiller?

Handy im Bett

Ein Interview mit Life-Radio Tirol zum Thema Handys im Schlafzimmer, deren Wirkung auf die Beziehungsqualität und Impulse aus der Positiven Psychologie zur Förderung des Wohlbefindens

Wie ist das aktuelle Verhalten bzgl. dem Handy im Schlafzimmer?

Wie eine aktuelle Studie aus den USA zeigt, hat der Großteil aller Menschen das Handy mit im Schlafzimmer, meist direkt in Reichweite. Viele interagieren bis unmittelbar vor dem Einschlafen damit. Darunter leidet die Schlaf- und auch die Partnerschaftsqualität.

Inwiefern beeinträchtigt ein intensiver Handgebrauch im Schlafzimmer eine Beziehung?

Wenn der Partner vor dem Einschlafen ständig mit dem Handy beschäftigt ist, anstatt sich dem Anderen zuzuwenden, kann das zu Missstimmung führen. Auf das Gegenüber kann es so wirken, dass das Handy bzw. die Menschen dahinter wichtiger sind als er oder sie. Gerade in der Partnerschaft wollen wir aber ja eine hohe Priorität für den anderen haben und ein Gefühl gegenseitiger Wertschätzung und Bedeutsamkeit erleben. Wenn der Partner dann lieber die Zeit mit dem Handy verbringt, kann das den Partner möglicherweise verletzen oder verärgern.

Warum ist das Handy für Viele so wichtig vor dem Schlafen?

Das Handy hat eine Vielzahl an Funktionen und erfüllt damit verschiedene Bedürfnisse. Manche nutzen das Handy, um Nachrichten zu beantworten und ihre Kontakte zu pflegen. Andere checken die aktuellen Nachrichten um nichts Wichtiges zu übersehen und wieder andere hören Podcasts oder Musik zum Einschlafen oder sehen noch ein Video, bevor sie den Wecker am Handy aktivieren. Ebenso vielfältig wie die Nutzung des Handys, sind die Gründe hierfür. Hier eine Auswahl an Erklärungsansätzen aus psychologischer Sicht:

  1. Handys zur Beziehungspflege: Das Handy ist ein Mittel um Beziehungen zu erhalten, was wiederum ein psychisches Grundbedürfnis von uns allen ist. Wir alle brauchen den Kontakt zu anderen, das Gefühl sicher zu sein und wertgeschätzt zu werden. Das Ganze hat jedoch auch eine Kehrseite: Wir haben Angst vor Ablehnung. „Was, wenn die Freunde sich abwenden oder sich etwas Negatives denken, wenn ich nicht gleich reagiere?“ Hier gilt es abzuwägen, was mich motiviert – eine positive Erfüllung meines Nähe-Bedürfnisses oder eher eine Vermeidung negativer sozialer Konsequenzen.
  2. FOMO – Fear of Missing out: Der Tag ist voll gepackt mit Arbeit, Kindern, Hobbies und Co – sodass wir oft keine Zeit finden, um uns über das Tagesgeschehen zu informieren. Das kann zur sogenannten FOMO führen, also der Angst etwas Wichtiges zu verpassen bzw. zu übersehen. Hier kann ein abendlicher News-Check Sicherheit verschaffen. Wichtig ist hierbei zu beachten, sich vor dem Schlafengehen nicht mehr mit anregenden Informationen zu konfrontieren, da sonst das Einschlafen erschwert wird.
  3. Schlafprokrastination: Eben weil viele erst abends nach Hause kommen, dann noch den Haushalt erledigen, um dann endlich erschöpft auf die Couch zu fallen, ist es umso ärgerlicher, wenn der Blick auf die Uhr bereits verlangt nur allzu bald ins Bett zu gehen. Hier ist das Handy eine attraktive Möglichkeit sich abzulenken und das Schlafengehen auf angenehme Weise hinauszuzögern. Nachteil ist, dass das Aufstehen am nächsten Morgen unter Umständen deutlich erschwert und der kommende Arbeitstag dementsprechend mühsamer ist.
  4. Einschlafhilfe: Das Angebot an „Schlaf-Podcasts“ und Co ist vielfältig. Eines ist klar: Rituale helfen beim Einschlafen. Und wer hierfür etwas Passendes gefunden hat, kann damit das Einschlafen beschleunigen. Auch hier ist es natürlich wichtig, sich nicht gerade mit einem Krimi in den Schlaf zu wiegen, sondern entspannende Themen zu wählen – vorgelesen am besten mit einer monotonen und angenehmen Stimme.

Wenn nun der Partner frustriert ebenfalls zum Handy greift – kann sich daraus eine Art Teufelskreis entwickeln?

Wenn der Partner ebenfalls zum Handy greift, weil der Andere bereits mit dem Eigenen beschäftigt ist, kann sich daraus unter Umständen ein Teufelskreis entwickeln. Man ist quasi „gemeinsam einsam“, sitzt nebeneinander, geht aber nicht in Kontakt. Beide sind in ihrer eigenen Welt. Das ist grundsätzlich ja erstmal nichts Schlechtes. Wir alle brauchen unsere Freiräume und Zeit für uns alleine. Problematisch wird es dann, wenn die Wünsche und Bedürfnisse auseinandergehen. Einer möchte dem anderen gerne von den Tageserlebnissen erzählen, doch der Blick des Anderen ist fest aufs Handy geheftet. Wenn sich dadurch zunehmend der Eindruck einschleicht, dass man dem anderen nicht so wichtig ist, kann das auf Dauer die Partnerschaftsqualität senken.

Was kann man als Pärchen aktiv unternehmen, wenn man im Zwiespalt ist, dass man sowohl an seinem /seiner Partner/in hängt, als auch am eigenen Handy? Kann man beides in Einklang bringen bzw. einen Kompromiss finden, oder sollte man das Handy endgültig aus dem Schlafzimmer verbannen?

Im Falle des eben beschriebenen Teufelskreises ist es wichtig gegenzusteuern und sich offen über die individuellen Bedürfnisse und Wünsche auszutauschen. Ergebnis kann zum Beispiel ein Kompromiss sein, bei dem jeder Zeit für seine anderen Interessen hat, jedoch auch gezielte gemeinsame Quality time, also Zeit zum Kuscheln oder zum Ratschen, eingeplant wird. Möglicherweise gibt es auch ähnliche Interessen und beide hören einmal in die gegenseitige Playlist mit den Lieblingssongs hinein.

Paar

Eine schöne Möglichkeit, sowohl Beziehungs- als auch Schlafqualität zu verbessern, ist die Etablierung eines gemeinsamen Rituals. Hierfür eignet sich die der „Positive Tagesrückblick“ in einer Variante für Paare. Stellen Sie sich hierfür gemeinsam Fragen wie:

  • Was war heute schön?
  • Was haben wir heute gemeinsam Schönes erlebt?
  • Von welchen schönen Erlebnissen, möchtest du mir heute erzählen?
  • Worauf freust du dich morgen?
  • Worauf bist du stolz?
  • Worüber hast du heute gelacht?

Und danach heißt es: Ab ins Bett! 🙂
Die Empfehlung aus psychologischer Sicht in puncto Handy ist dahingehend eindeutig: Gönnen Sie sich den Luxus des Offline-Seins in der Nacht während Sie schlafen. Schalten Sie auf Flugmodus und sind dafür am nächsten Morgen voll erholt und bereit für neue Erlebnisse.

Herzlichst Ihre,

Psychologe Innsbruck
Psychologin in Innsbruck

Hier finden Sie noch einen Ausschnitt des im Radio gesendeten Interviews am 18.10.2019 zum Anhören.

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