Ein verregneter Morgen, der Wecker zu spät, das Frühstück fällt aus, der Bus fährt vor der Nase weg – „der Tag ist gelaufen“. Kennen Sie diesen Gedanken? Er ist ein klassisches Beispiel für Schwarz-Weiß-Denken: Ein Tag ist entweder gut oder schlecht, ein Mensch entweder Erfolg oder Versagen, ein Gefühl entweder erlaubt oder falsch.
Warum wir in Extremen denken
Vereinfachungen sparen dem Gehirn Energie – in vielen Situationen ist das nützlich. Bei der Bewertung von Tagen, Menschen und uns selbst führt das Entweder-oder aber oft in die Irre: Ein missglückter Start „färbt“ den ganzen Tag, und am Geburtstag oder Hochzeitstag müssen wir uns durchgehend gut fühlen – was erstaunlich zuverlässig Druck erzeugt.
Graustufen – und Regenbögen
Realistischer ist: Fast jeder Tag enthält Gelungenes und Misslungenes, Angenehmes und Ärgerliches nebeneinander. Wer in Graustufen denkt, kann einen holprigen Vormittag hinter sich lassen, ohne den Nachmittag gleich mit abzuschreiben. Und eigentlich sind es nicht einmal Graustufen: Ein Tag enthält viele verschiedene Farben gleichzeitig – Freude über ein Gespräch und Ärger über die Technik, Müdigkeit und ein kleiner Stolz. Beides darf gleichzeitig wahr sein.
Eine kleine Übung
Wenn Sie sich das nächste Mal bei einem „Der Tag ist gelaufen“-Gedanken ertappen, halten Sie kurz inne und fragen Sie: Was stimmt an diesem Tag außerdem noch? Nicht, um den Ärger wegzureden – sondern um das Bild zu vervollständigen. Der Positive Tagesrückblick macht daraus eine Abendgewohnheit. Und bei Gefühlen hilft statt „erlaubt oder falsch“ die Frage: Ist dieses Gefühl in dieser Situation gerade förderlich oder hinderlich? (nach Kashdan & Biswas-Diener)
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