Kennen Sie das? Sie sind einen Weg entlanggegangen und können sich an kaum ein Detail erinnern. Der Autopilot hat übernommen. Das ist im Alltag oft praktisch – aber wenn wir dauerhaft darin bleiben, verpassen wir viele Momente, die eigentlich guttun würden.
Achtsamkeit und Genuss
Das Gegenstück zum Autopiloten ist die bewusste Aufmerksamkeit für das Hier und Jetzt – oft Achtsamkeit genannt: wahrnehmen und beobachten, aus einer wohlwollenden, offenen Haltung heraus, ohne sofort zu bewerten. Genuss baut genau darauf auf. Wer mit den Sinnen bei der Sache ist, kann Angenehmes intensiver erleben – beim Essen, in der Natur, in einem Gespräch.
Genuss hat dabei drei Zeitfenster: die Vorfreude, das Auskosten im Moment und das Erinnern danach. Schon der Gedanke an ein gutes Essen aktiviert ähnliche Hirnareale wie das Essen selbst – und wer sich hinterher kurz notiert, was angenehm war, verlängert den Effekt.
Übung: Der Genussspaziergang
- Nehmen Sie sich 20–30 Minuten Zeit für einen Spaziergang – ohne Kopfhörer, ohne Handy in der Hand.
- Richten Sie Ihre Aufmerksamkeit bewusst auf Ihre Sinne: Was sehen Sie? Was hören, riechen, spüren Sie?
- Wenn Ihnen etwas Angenehmes auffällt – ein Geruch, ein Lichtspiel, ein Geräusch – bleiben Sie einen Moment dabei.
- Wandern die Gedanken ab (das ist normal), kehren Sie freundlich zu den Sinnen zurück.
Genussvoll essen
Dieselbe Haltung lässt sich aufs Essen übertragen: eine Mahlzeit ohne Bildschirm, langsamer als sonst, mit Aufmerksamkeit für Geschmack, Geruch und Konsistenz. Es braucht kein besonderes Menü – ein bewusst gegessenes Butterbrot kann mehr Genuss bereiten als ein nebenbei verschlungenes Festessen.
Genuss ist kein Programm, das man abarbeitet. Es reicht, immer wieder einzelne Momente bewusst zu erleben – als kleine Inseln im Alltag, nicht als weiterer Punkt auf der To-do-Liste.
Verwandt: Achtsame Fotografie – eine spielerische Variante, den Blick für schöne Details zu schulen – und Salienz: Warum wir sehen, was wir erwarten.