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Was die Forschung über Stärken und Wohlbefinden zeigt

Charakterstärken gehören zu meinen wissenschaftlichen Schwerpunkten: In meiner Promotion und in Publikationen habe ich untersucht, wie Stärken mit Wohlbefinden und Gesundheit zusammenhängen. Hier die wichtigsten Befunde – verständlich zusammengefasst.

Die fünf „Glücksstärken“

Innerhalb der 24 Charakterstärken zeigen fünf über viele Studien, Altersgruppen und Länder hinweg besonders enge Zusammenhänge mit Wohlbefinden – die sogenannten happiness strengths:

  • Begeisterungsfähigkeit (Enthusiasmus)
  • Optimismus / Hoffnung
  • Dankbarkeit
  • Neugier / Interesse
  • Liebes- und Bindungsfähigkeit

Auch in meiner eigenen Forschung mit Mediziner:innen bestätigten sich diese fünf als die am stärksten mit Wohlbefinden verbundenen Stärken. Interessant: Laut Befragungen des VIA-Instituts haben rund drei Viertel der Menschen mindestens eine dieser fünf unter ihren Signaturstärken.

Studie 1: 24 Stärken, viele Facetten von Wohlbefinden

Im Rahmen des WELL-MED-Projekts haben wir Medizinstudierende zu zwei Zeitpunkten im Abstand von einem Jahr befragt. Die Auswertung zeigte: Verschiedene Stärken hängen unterschiedlich stark mit einzelnen Wohlbefindensaspekten zusammen. Hoffnung etwa war besonders eng mit Sinnerleben, Optimismus und Autonomie verbunden, Enthusiasmus mit Beziehungen und Engagement, Durchhaltevermögen mit dem Erleben eigener Kompetenz. Das eröffnet eine spannende Perspektive: Stärken-Übungen könnten gezielter auf den Aspekt zugeschnitten werden, den jemand stärken möchte.

Studie 2: Signaturstärken im Beruf

In zwei weiteren Studien – mit 387 Medizinstudierenden und 136 Assistenzärzt:innen – haben wir untersucht, wie die Anwendbarkeit der Signaturstärken im Arbeitsalltag mit Wohlbefinden und Gesundheit zusammenhängt. Ergebnis: Wer die eigenen zentralen Stärken im Beruf einsetzen kann, berichtet über höheres Wohlbefinden und bessere psychische Gesundheit – für die körperliche Gesundheit zeigte sich kein direkter Zusammenhang. Ein großer Teil dieser Zusammenhänge ließ sich durch ein geringeres Burnout-Erleben (emotionale Erschöpfung) erklären. Für Organisationen heißt das: Ein Stärkenfokus ist ein vielversprechender Ansatzpunkt gesunder Arbeitsgestaltung – wenngleich Querschnittsbefunde keine Garantien erlauben.

Wichtig zur Einordnung: Es handelt sich um Zusammenhänge, nicht um bewiesene Ursache-Wirkungs-Ketten. Stärkenarbeit ist ein vielversprechender Baustein – kein Schutzschild gegen Überlastung und keine Behandlung.

Praktisch weiterlesen: Charakterstärken bewusster nutzen · Flow: im Tun aufgehen · Glücklich im Job

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